Anekdoten

Gazoil ahoi, oder wenn nicht.....

Unser erster Tag im Iran, den Grenzübertritt gut und sauber passiert, Täbris liegt bereits hinter und wir sind auf dem Weg Richtung Tehran.

In der Provinz Azerbaijan, zwischen Zanjan und Tehran ist der Moment gekommen, um zu tanken.

Wir reihen uns an den Zapfsäulen ein und Andi spricht mit dem Servicemann und lässt sich versichern, dass auch bestimmt Diesel getankt wird. Zusätzlich wird die Tankabdeckung zu Hilfe genommen. Und es wird für 800`000 Rial getankt.

Die Reise konnte weitergehen, doch es kam anders.

80 Liter Benzin statt Diesel wurde reingekippt, nach 4 Kilometer war Tofu (unser Land Rover Defender 110) am Ende.

Andi fährt sofort zur Seite an den Pannenstreifen, stoppt den Motor, steigt aus, tigert herum und murmelt –nach Hause fliegen, das war`s-!

Hin und her wird überlegt, zu Fuss zurück zur Tankstelle oder nicht?

Also, erstmals Warndreieck aufstellen, und siehe da, ein Mann mit seiner Begleiterin halten bereits an unserer Seite und wir nehmen die angebotene Hilfe des Herrn erleichtert und dankend an.

Saman und Andi fahren in seinem Auto rückwärts auf der Autobahn zurück zur Tankstelle, während wir Frauen am „Tatort" bleiben. Nicht umsonst, denn die Polizei lässt nicht lange auf sich warten, die Begleiterin erklärt den Beiden auf Farsi was Sache ist und sie warten mit uns.

Alsbald kommen Andi und Salman mit einem Kanister und einem Schlauch zurück, mit von der Partie auch der Melonenverkäufer von der Tanke.

Salman wollte eigentlich das Benzin am Straßenrand ablassen, doch diese Idee wird von der Polizei vehement abgelehnt.

Also sprintet der Melonenverkäufer zurück zur Tankstelle, denn ein Kanister für knappe 120 Liter nicht gerade ausreichend.

Per Mofa werden die zusätzlichen Kanister „eingefahren".

Mittlerweile haben wir 6 Personen an unserer Seite, welche bemüht sind, 80 Liter oder mehr aus dem Tank zu kriegen.

Kanister um Kanister werden gefüllt, der mitgebrachte Schlauch zu kurz, ein längerer wird organisiert, unser Tofu steht in Schräglage, was das Entleeren unterstütz.

Auch wurde unter Tofu gekrochen, um allenfalls einen „Abfluss" zu finden, doch alles dicht.

Touring Club Tehran ist niemand zu erreichen, denn Feiertag, eine Land Rover-Vertretung in der Schweiz ist telefonisch zu erreichen, Antwort Tank leeren und Benzinleitung reinigen.

Andi versucht die Benzinleitung zu lösen, doch bei Dunkelheit und Schräglage, unmöglich. Das Teil eh viel zu heiss.

Salman versucht uns gut zuzureden, nun Diesel einzufüllen und zu starten. „Durchspülen" nennt er es.

Der Tank fast leer, 80 Liter sind raus, was soll`s, rein mit dem Diesel.

Andi, mit Zweifel und Sorge um Tofu, den Zündschlüssel drehend. Anfangs Gestotter, aber dann läuft der Motor. Das Alarmlämpchen Motor natürlich on.

Salman schlägt uns vor, uns bis zur nächsten Tankstelle zu begleiten, falls unterwegs was passiert und um sicher zu gehen, dass wir heil ankommen.

Dem Melonenmann wird noch die 20 Liter Diesel bezahlt, der Polizei wird unseren Dank ausgesprochen und los geht`s, wir fahren vor, Salman hinter uns her.

Die erste Tankstelle erweist sich nur als Rastplatz, Salman übernimmt nun die Führung, nachdem seine Begleiterin uns noch mit Früchten versorgt.

Bei der nächsten Tankstelle weist Salman uns den Weg und aha, um Diesel zu tanken, hat man sich bei den LKWs einzureihen.

Gut zu wissen, denn die PWs im Iran fahren alle mit Benzin.

Erneutes Tanken, nun definitiv Diesel.

Salman notiert auf Farsi auf einen Zettel, die Info, dass wir Diesel benötigen, plus hinterlässt er seine Telefonnummer. Wenn wir erneut Hilfe benötigen, sollen wir ihn ungeniert kontaktieren.

Seine Begleiterin schenkt uns noch Gemüse und Salman gibt uns noch ein traditionelles Brot mit auf den Weg.

Wir bedanken uns innig und herzlich, unsere CH-Schoggi nicht der Rede wert, doch möchten wir zumindest etwas Klitzekleines zurückgeben.

Diese Begegnung wird uns stets begleiten und uns vor Augen führen, dass wir immenses Glück im Unglück gehabt haben. Salman Hilfsbereitschaft, für uns aus dem Westen kaum vorstellbar, steht für alle kommenden Begegnungen mit den Menschen im Iran.

Innigen Dank an Salman aus der Ferne.

Am Folgetag, Zündschlüssel drehen und zack, die Warnlampe „Motor" erlischt.

Hurra, Iran wir bleiben.

Anekdoten 2

Abendessen für die Füchse, Sandsturm und Seilwinde

Wenn wir kochen, dann tendenziell immer zu viel, nach dem Motto, da waren die Augen wohl grösser, als der Mund.

Wie dem auch sei, wir sitzen entspannt in der Wüste Dasht-e Kavir und kochen Teigwaren im Topf.

Zuvor hat Andi bei einbrechender Dunkelheit mit der Taschenlampe einen Fuchs gesichtet und wir fragen uns, ob er wohl in der Nähe bleibt.

Nun, denn die Teigwaren gar, mit Tomatensauce angerichtet, guten Appetit.

Dass wir das Vier-Personen-Mahl nicht schaffen, war absehbar, was also soll mit dem Rest geschehen? Ach ja, der Fuchs, vielleicht hat er ja Interesse.

Andi stiefelt mit Taschenlampe und Pasta bewaffnet in die Wüste, mit der Idee unser Mahl mit dem Fuchs zu teilen.

Wir verbringen eine geruhsame Nachtruhe, absolut das Gegenteil vom bereits Erfahrenem, keine Gehupe, kein Türen knallen, kein Geschnatter, keine laufenden LKW Motoren und keine vorbeibrausenden Autos.

Kein Laut ist zu vernehmen, totale Ruhe herrscht und der Sternenhimmel (inklusive Sternschuppe), eine Pracht für sich.

Vor Sonnenaufgang ist Tagwach, Andi auf Pasta-Spuren, doch keine Spuren weit und breit, alles weggeputzt. Scheint geschmeckt zu haben.

Unser Plan war es zwei volle Tage die Wüste Dasht-e Kavir zu geniessen, doch mit dem Sonnenaufgang kommt Wind auf.

Wind, der immer stärker wird. Unser Zelt (Baker Tent aus Goldgräberzeiten) hält sich anfangs noch recht gut, doch der Wind bläst nun genau in die Zeltöffnung rein und es wird wie ein Ballon aufgeblasen. Die heisse Luft nun auch mit Sand vermischt, Gesichtspeeling pur, Sandverwehungen stellen sich ein. Hektik macht sich breit, alles so schnell wie möglich zusammenpacken, denn Wind- und Wetterfest ist vorbei.

Die Aktion geht relativ gut und produktiv von statten, die Handgriffe sitzen, das Kopftuch nicht, doch schützt es vor Sandattacken.

Alles verstaut, inklusive gefühlten 10 Kilo Sand, was nun.

Wir haben vorab entschieden, das Mittagessen liefern zu lassen, doch so lange im Sturm ausharren wollen wir nicht, wir entscheiden den Rückzug anzutreten und nach Mesr zurückzufahren.

Unsere Irrfahrt, kann man nicht anders betiteln, endet nach einer gefühlten Ewigkeit, jäh in einer Sanddüne.

Und obwohl wir keine Neulinge Betreff Sanddünen sind, haben wir alle Anfängerfehler abgehackt.

Der Gedanke, loszulaufen, wurde durch den Einwand die Seilwinde zu nutzen, verbannt. OK, aber wo festmachen?

Die Bäume, niedriggewachsen, seien das beste Brennholz, warum auch nicht die besten Anker?

Seilwinde ausgefahren, Bäume angepeilt, Auswahlverfahren des richtigen Baumes gestartet, Wahl getroffen und festzurren.

Hoffen, dass das knorrige Urgebäum dem Unterfangen Sandbefreiung standhält.

Seilwinde spannen, Support mit Gas geben und zack, die Befreiungsaktion ist geglückt. Alles in die Karre schmeissen, die Notausgang-Route eruieren und los geht die Fahrt.

Erleichtert und heil erreichen wir festen Untergrund, uff nochmals gutgegangen. Den Plattfüssen wird mit dem T-Max Kompressor Abhilfe geschafft.

Und es gilt zurück auf Start, wieder auf dem Übernachtungsstandort angekommen, wird eine Lagebesprechung anberaumt.

Warten, bis das Mittagessen geliefert wird oder ein erneuter Versuch es alleine zu schaffen.

Die Entscheidung wird einstimmig getroffen, wir versuchen es erneut. Aber mit System wollen wir uns an Mesr ranpirschen. Klappt nicht schlecht, Richtung stimmt, doch vor der letzten Düne, uns trennend von der Hauptroute, steigen wir zuerst zu Fuss hoch und siehe da, unser Mittagessen fährt gerade vorbei.

Memet & Co fahren das letzte Stück vor, das Mittagessen (Kamelfleisch, super lecker) gibt es in den kühlen und sandlosen Räumen des Guesthouses.

Über das Erlebte wird bereits gelacht, Memet pumpt noch mehr Luft in unsere Reifen und weiter geht unser Abenteuer.

 

Anekdoten III

Suche mit Wolfsgeheul nach dem verlorenen Paradies, den 70 Meter hohen Wasserfällen und dem schwarzen Gold

Aber der Reihe nach oder nach der Mitte.

Von Abadeh quer rüber Richtung Yassuj, bei prächtiger Aussicht auf die Apfelplantagen lud ein Baum uns zu einer Rast unter seinen wuchtigen, schattenspenden Ästen ein.

Vor dem Besuch der Margoon Wasserfällen, abschalten und die Ruhe genießen.

Doch nichts da, ein redebedürftiger Taxichauffeur durchkreuzte unser Vorhaben, sicher super nett, der Mann, jedoch wir in diesem Moment absolut nicht auf Empfang.

Auch sein Vorschlag, uns zu den Wasserfällen zu begleiten, wurde durch uns dankend abgelehnt.

Pausenabbruch und weiter geht`s.

Doch der gute Mann ließ nicht locker, unsere „Flucht" schlug fehl, er fuhr nun vor, kein Ausweg weit und breit.

Nach einem Verzweiger und einem abrupten Richtungswechsel, war es uns möglich den Taxichauffeur aus den Augen zu verlieren. (Sorry, nicht böse gemeint, doch wir waren zu diesem Zeitpunkt einfach nicht bereit für seine Gastfreundschaft)

Der Richtungswechsel hiess, weg von den Wasserfällen, egal, wir versuchen es morgen nochmals, auch verschoben der Besuch von „Lost Paradies", denn das Tageslicht schwindend und gesichtet auf der Karte einen Campingplatz (wer`s glaubt!) in Shiraz.

Also weiter nach Yassuj, Sepidan und Shiraz.

Kurzum, Stadtrundfahrt vom Feinsten, Nachfrage im Luxushotel Shiraz bestätigt unsere Vorahnung, kein Campingplatz in Shiraz.

Nun denn, auf nach Behesht-e Gomshodeh / Lost Paradise. Wir landen in Persepolis, ein Irani versucht uns den Weg zu erklären, doch sein Englisch reicht nicht aus, er ruft seine Schwester. Sie meint, in der Nacht zu fahren sei zu gefährlich, besser bei ihr übernachten und tagsüber fahren.

Wir lehnen dankend ab und fahren Richtung Ramjerd, Dorudsan, einem See entlang, den wir mehr erahnen als sehen, auf der Suche nach Lost Paradies.

Im Dunkeln bleibt die Suche ergebnislos, Umkehr nach Ramjerd, um einen geeigneten Schlafplatz zu finden.

Auf neuer, kurvenreicher Strasse, gespickt mit Speedbumbs, entscheiden wir uns ab vom Weg zu übernachten.

Ein Schotterweg hoch, unter Bäumen das Lager aufschlagend, doch Moment, was ist das für ein Gejohle?

Gejaule trifft`s wohl eher, 100 gefühlte Hunde (Wölfe) heissen uns in der Dunkelheit willkommen, unheimlich.

Egal, ab in die Koje. Für 10 Minuten, die Geräusche von draussen, nicht einzuordnen, fast schon angsteinflössend, lassen an Schlaf nicht denken.

Abbruch, raus aus dem Wald und ab in die Zivilisation, Parkplatz an einer Hauptstrasse gefunden und es kann geschlafen werden (es darf gelacht werden, haben wir im Nachhinein auch, aber wer den weissen Hai gesehen hat und nachher im Meer schwimmt, weiss ob der unrealistischen Fantasie)

Bei Tagesanbruch, geht die Suche weiter, aber es ist wie verhext, nun scheint es auch die gestrig gefahrene Strasse nicht mehr zu geben.

Wer sucht, der findet, wie auch wir, der erahnte See, nun bei Tageslicht und anschliessend auch Behesht-e Gomshodeh / Lost Paradies, eine Schlucht.

Nun wollen auch die Margoon-Wasserfälle noch besucht werden, doch die Irrfahrten nehmen kein Ende, es dauert, bis wir auf eine Querstrasse nach Sepidan stossen.

Durch spektakuläre Landschaften, geprägt durch 2000 müM hohe Gebirgszüge und fruchtbare, wasserreiche Täler nach Sepidan.

In Sepidan wird aufgetankt, Weiterfahrt hoch ins Gebirge, über 2800 müM, an einem Skiort vorbei zu einem gebührenpflichtigen und bewachten Parkplatz, der Fussmarsch zu den Wasserfällen gleicht einem Höhentrainig und lässt das Herz pumpen und die Lungen scheinen zu bersten.

(den Irani lässt dies kalt, schleppt Essen für die ganze Familie hoch, inklusive der Kochutensilien, denn es wird am Wasser gegrillt & gepicknickt)

Die Wasserfälle gigantisch und bei der Hitze ein kühlender Ausflug.

Unser nächstes Ziel, der persische Golf, vor Shiraz eine Querstrasse nach Nurabad nehmend, dann nach Qa`emiyeh und Konar Takhteh, wo wir unser Abendessen bei einem netten Iraner geniessen.

So nebenbei erwähnt Andi, dass wir ein technisches Problem hätten, die Anzeige Oel-Service leuchte auf, sprich ein Oewechsel sei fällig.

Kein Problem, morgen in Borazjan wird eine Garage angepeilt.

Tja, und somit wären wir auf der Suche nach dem schwarzen Gold.

Der Besuch bei einer Garage in Borazjan ergibt nämlich, dass es unser Oel Vorort nicht gibt, eventuell in Shiraz.

Ob der Oelwechsel auch mit einem anderen Oel zu empfehlen ist, wissen wir nicht.

Ein schweizerischer Fachmann wird kontaktiert, die Aufforderung Oel-Service könne man ignorieren, es sei nur ein Hinweis, beim nächsten Service einen Oelwechsel zu machen.

Auch wenn wir noch über 6000 km fahren möchten? Kein Problem.

Na denn, Aktion Garage wird abgebrochen und die Reise geht weiter und die Suche nach dem schwarzen Gold hat sich erledigt.

(Dank an dieser Stelle an Salman (Retter, der ersten Stunde) für die telefonische Übersetzung, noch vor dem Frühstück)

(Falls wir im Iran dennoch einen Mechaniker gebraucht hätten, wäre Reza Foorsati Pour unser Mann 1.Wahl gewesen. Er besitzt einen Land Rover Serie III, Jahrgang 1983 und, wie passend, eine Auto-Garage in Rudehen, kurz vor Damavand)

 

 

 

 

 

 

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